8. Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los…! – An andere ‚Zauberlehrlinge‘, die wissen, dass kein ‚großer Meister‘ dem Spuk ein Ende bereiten wird – ein Trauerspiel in neun Akten, der letzte mit dir und mir

8. Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los...! - Auf der Suche nach anderen Zauberlehrlingen, die wissen, dass kein Meister dem Spuk ein Ende bereiten wird

1. Akt: Genug ist nicht genug

Dieser Beitrag berührt unsere westliche Lebensgesellschaft und das Alltagsleben eines jeden von uns an einem ausgesprochen wunden Punkt: Wir werden von klein an geradezu programmiert, unseren Wünschen und Erwartungen keine Grenzen aufzuerlegen – wir müssen nur über ein ausreichend gefülltes Portemonnaie oder auch nur ein ausreichend hohes Kreditkonto verfügen – eine gute Portion Dreistigkeit mag auch noch hinzukommen und schon geht praktisch alles. Die Erfüllung unserer ausufernden Wünsche und Begierden ist Inhalt unseres Wirtschaftslebens bzw. der Gesellschaft wie auch Kultur.
Doch wie lässt sich einem solchen Spuk ein Ende bereiten? Im Gegensatz zur Ballade Goethes findet sich hier und heute kein Meister, der dem Zauber ein Ende bereiten könnte, ohne ein gewaltiges Zerstörungsinferno zu entfachen wie z. B. alle Verzweiflungstäter es tun.
Am Ende wird meine Suche nach stillen, behutsamen Mit-Zauberlehrlingen stehen.
Im Artikel spukt es noch!
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Eines vorweg: In diesem Artikel geht es nicht gerade ‚politisch korrekt‘ zu, weil ich hier Dinge thematisiere, die in der öffentlichen Diskussion unserer Medien kaum einen Platz finden. Doch dahinter steht kein Denken, das unsere gesellschaftliche Ordnung ablehnt oder in ein schlechtes Ansehen geraten lassen will.
Ich bin dankbar für das Leben in genau dieser Lebenswelt und habe Jahrzehnte als Lehrer in ihr gewirkt, eine Familie mit Kindern haben dürfen – dabei viel Wunderbares wie auch Schwieriges erlebt und durchgemacht. Das kann mir niemand mehr fortnehmen.
Dennoch – es knirscht mächtig im Gebälk unseres Zusammenlebens in der Welt. Genau darüber mache ich mir Gedanken und Sorgen.
Was hier folgt, ist keinesfalls pürierte und leicht verdauliche Kost. Es ist vielmehr einiges vom manchmal recht harten, holzigen, sauren, bitteren Teil des Lebens, von dem wir uns selbst gerne vorgaukeln möchten, dass es diesen – zumindest für uns selbst – gar nicht so wirklich gibt. Eine bestens organisierte Unterhaltungs- und Zerstreuungsindustrie hilft uns gegen unser gutes Geld tatkräftig dabei.
Die automatische Folge ist eine Art von sorgloser ‚Sonnyboy-Haltung‘, die uns kollektiv ganz Wesentliches übersehen lässt, wodurch wir uns in einer Weise verhalten, die für uns selbst, für unsere Beziehungen, für unsere Gesellschaft wie auch für die gesamte Mitwelt zerstörerisch ist. Wer dann doch einmal dumpfe Angst verspürt, beruhigt sich dann leicht mit der ebenso dumpfen Hoffnung, dass andere ja noch viel schlimmer dran sind als man selbst, dass man schon nicht das nächste Opfer sein wird und das überhaupt ja eigentlich alles schon immer gut gegangen ist.
Mit 62 Jahren fühle ich mich nun nicht mehr willens bzw. in der Lage, in dieser Weise zu denken, zu fühlen und zu handeln. Ich will dich hinführen und mitnehmen bis hin in die Welt von Goethes ‚Zauberlehrling‘, der dir aber erst nach etlichen härteren Bissen begegnen wird.
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2. Akt: Viel hilft viel
Ich wiederhole hier aus dem Vorspann:
Dieser Beitrag berührt unsere westliche Lebensgesellschaft und das Alltagsleben eines jeden von uns an einem ausgesprochen wunden Punkt: Wir werden von klein an geradezu programmiert, unseren Wünschen und Erwartungen keine Grenzen aufzuerlegen – wir müssen nur über ein ausreichend gefülltes Portemonnaie oder auch nur ein ausreichend hohes Kreditkonto verfügen – eine gute Portion Dreistigkeit mag auch noch hinzukommen und schon geht praktisch alles. Die Erfüllung unserer ausufernden Wünsche und Begierden ist Inhalt unseres Wirtschaftslebens bzw. der Gesellschaft wie auch Kultur.“
Diese Geistesverfassung prägt unsere westliche Lebenswelt; sie bestimmt und organisiert unser Alltagsleben. Sie führte dazu, dass wir (über Jahrhunderte) eine Struktur aufbauten, die unsere Wünsche absolutierte und deren Erfüllung sicher stellte – zur Not auf gewaltsamem Wege (z. B. ‚Politik mit anderen Mitteln‘).
Die Gesellschaft unterliegt dem Diktat unserer eigenen Wünsche und Begierden; wir selbst unterliegen auf Umwegen dem Diktat den Anforderungen anderer Mitmenschen bzw. mächtiger Organisationen, da wir als Gesellschaftsmitglieder Teil dieser Maschinerie sind – ohne Möglichkeit, aus diesem Organisationskorsett aussteigen zu können. ‚Gesellschaft‘ ist durch den Globalisierungsprozess mit weltweiter Vernetzung auch als weltweit zu verstehen; es ist für den Einzelnen oft nicht nachvollziehbar, woher im Einzelnen ein bestimmter Druck, eine persönliche Last oder eine leidvolle Zumutung ursächlich kommt. Viel zu unübersichtlich sind die bestehenden Verstrickungen, in denen wir alle leben.Ein hervorstechendes Merkmal unserer Lebenswelt ist unsere Ausstattung mit vielen Dingen und ein Zugang zu massenhaft Energie, über die wir frei verfügen können. Wir werden geradezu überschwemmt von Nahrungs- und Genussmitteln, von Gegenständen und Dienstleistungs-angeboten verschiedenster Art.
Ob du und ich das wirklich benötigen, spielt für die Anbieterseite keinerlei entscheidende Rolle. Wesentlich ist nur, ob es gelingt, dich und mich zur Annahme der Angebote zu bewegen. Kommt es dazu, dann hat sich das Rad unseres Wirtschaftslebens wieder einmal ‚erfolgreich‘ ein Stück weiter gedreht. Jeder Kaufakt gilt als gesellschaftlich erwünscht – ja als Zeichen guter Staatsbürgerschaft.
Du und ich als Mitglied einer westlichen Industriegesellschaft leben in einem Gebiet dieser Erde, in dem Machtstrukturen zu einer besonders hohen Ausstattung mit Energiepotential für dich führen: Du verfügst über größere Mengen eines universellen Tauschmittels namens Geld, mit dessen Hilfe du indirekt Arbeitsbefehle aussprichst – es ist durchaus auch ein Machtmittel.
Die Organisatoren unserer Gesellschaften bzw. unseres Wirtschaftslebens beobachten – unter Zuhilfenahme von Informationstechnologie – die Bewegungen im Verhalten der unzähligen kleinen Auftraggeber und erkennen darin Trends. Sie verstärken solche aktiv und befeuern auf diese Weise Arbeitsprozesse bzw. lenken Geldströme dorthin, um ‚Erfolg‘ in Form von ‚Gewinn‘ zu erzielen. Beide Begriffe sind heute in deiner Lebensumgebung in erster Linie über Geld definiert.
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3. Akt: Viel wird zuviel
Du und ich unterhalten in dem eigenen Alltagsverhalten diese Strukturen, die das Geld so überstark da stehen lassen, wie es derzeit der Fall ist. Es macht wenig Sinn, sich selbst als kleines, unschuldiges Opfer oder auch einfach nur als machtlos zu verstehen, da dies automatisch eine Rolle der eigenen Hilflosigkeit begründen würde. Genau dies ist nämlich eine zentrale Strategie, mit der wir uns selbst in der momentanen Position des weltweiten Geld-Schneeballsystems in einer energiereichen Position festhalten – so paradox es auch klingen mag.
Mir selbst passt das Bild einer Lawine besser: Große Mengen von Menschen erzeugen enorme Kräfte, mit deren Hilfe sie an anderen Stellen gewaltige Wirkungen erzielen – ein Beispiel sei hier nur die Bekleidungsindustrie, die vorwiegend in ‚Dritte-Welt-Ländern‘ fertigen lässt (man achte auf die darin unausgesprochene Bewertung der Menschen, die in diesen Ländern leben). Da werken unter Bedingungen, die wir für uns in keiner Weise jemals akzeptieren würden, unzählige Menschen in erster Linie für die unersättlichen Luxuswünsche von uns reichen ‚Erste-Weltlern‘, die über das allmächtige Tauschmittel in einer Weise verfügen, die indirekt diese Menschen versklavt.
Ein weiteres Beispiel aus der so genannten ‚Landwirtschaft‘:
Da werden in unserem Land Millionen von Tieren in Gefangenschaft gehalten – alleine zu dem Zweck, auf unserem Teller zu unserem Genuss zu landen. Die Haltungsbedingungen wie auch die im Bereich von deren Tötung lassen sich allenfalls mit denen von Gefangenenlagern mit Folterhaft wie auch Massenhinrichtungen vergleichen. Wir empfinden nichts dabei, diese Lebewesen auf so grausame Weise zu behandeln und sie wie eine neutrale Sache zu betrachten, über die wir beliebig verfügen können.
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4. Akt: Die Lawine ist los: Das bin auch ICH? – Wie mich stellen, ohne überrollt zu werden?
Keine Sorge – ich will hier weder dich noch mich noch unsere Lebensgesellschaften schlecht machen, verurteilen oder moralisch drangsalieren.
Dennoch:
Ich kann nicht umhin, in der eigenen Lebenswelt – innen wie auch außen – Strukturen auszumachen, die alles dies verursachen und am Laufen halten. Das ist zunächst eine ganz nüchterne, sachliche Wahrnehmung und nicht mehr. Doch ihr folgt zunehmend ein Gefühl des Unbehagens bis hin zu einem Schamgefühl, dass ich so Unverantwortliches dulde – ja mit verschulde und bewirke, gleich ob aktiv und bewusst oder passiv und unbewusst. Eine mächtige Meinungsbildungs-Maschinerie hilft tatkräftig dabei, die Augen und die Herzen an den ‚richtigen‘ Stellen zu verschließen.
So etwas kann mir (und dir?) nicht unbedingt gefallen – vor allem nicht, wo ich selbst Teil dieser Maschinerie bin – du allerdings ebenso, ob du willst oder nicht. Aus diesem Grunde kann ich dies auch nicht alleine mit mir im stillen Kämmerlein ausmachen, sondern wende mich auch auf diesem Wege an dich, um bei dir anzufragen, ob du nicht ebenso etwas Ähnliches beobachtest oder fühlst.Ich für meinen Teil will diesen Teufelskreis nicht weiter wie bisher, d. h. unverändert wirken lassen. Wohl bin ich mir dabei bewusst, dass ich nicht einfach ‚aussteigen‘ kann bzw. will: Ich befinde mich in einer hoch beschleunigten Umgebung, die mich bei einem ‚Absprung‘ mitreißen und zerschmettern würde. Ich würde automatisch zu einem Fremdkörper, der als feindlich eingestuft und auch bekämpft werden könnte. Selbst im privaten Lebensbereich würden Beziehungen aufs Schwerste belastet – ja auch zerrüttet werden können. Ich kann schließlich nicht erwarten, dass meine Mitmenschen meinen neuen Gedanken und Wegen folgen wollen und können.
Es muss also Veränderungen in diesem rasanten oder machtvollen Raum geben, die allen Beteiligten (auch denen, die nicht so denken, fühlen und handeln wie ich) ein ausreichend sicheres wie auch akzeptables Lebensfeld bietet. Ich kann niemandem meine Sichtweise und Handlungsweise aufzwingen; das kommt für mich von außen her ja ebenso nicht in Frage.Jedenfalls will ich mich selbst – von innen und von außen her – nicht weiter wie bisher gängeln, verführen oder gar geistig versklaven lassen, in welcher Weise auch immer.
Die Tatsache, dass Kleidung aus Quasi-Sklavenfertigung und tierische Lebensmittel aus Massenlagern als Selbstverständlichkeit in der weltweiten Alltagspraxis angesehen werden, erfordert eine Art von Scheuklappenwahrnehmung, die eine Art von geistiger Selbstbeschränkung darstellt.
Die Unterwerfung unter das Diktat des Geldes, von dem heute allgemein gilt, dass es die Welt regiert, gehört in die gleiche Art von Selbstunterwerfung, wie ich sie nicht länger hinnehmen will.
Da wirkt eine Art von geistiger Einseitigkeit, die sich aus meiner aktuellen Wahrnehmung allenfalls gutmütig als eine Form von (Fach-?) Idiotie bezeichnen lässt. Vornehmer ausgedrückt, handelt es sich ganz einfach um eine Form geistiger Behinderung – entstanden in Interaktion zwischen unserer unreifen kindlichen Innenwelt und dem äußeren Gegenüber der damals Mächtigen: unseren Eltern, Ausbildern und nicht zuletzt der Anbieterwelt. Also alles die Schuld anderer? Nein, du und ich sind es heute als Erwachsene selbst, die diese Strukturen leben und damit lebendig halten – ganz alltäglich mit unseren ständigen Augenblicksentscheidungen.Es ist nicht leicht zu ertragen, sich selbst als wesentlich mitverantwortlich für die hier erwähnten und weitere unsägliche Auswüchse in der eigenen nahen und ferneren Lebensumgebung erkennen zu müssen. Das erbaut gewiss nicht, aber es macht keinen Sinn, sich davor verbergen zu wollen oder sich selbst zu verdammen und zu verachten.

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5. Akt: Was nun? Sich nicht alleine gegen den ‚großen Zauber‘ stellen!

Das machen zum Beispiel terroristische Gruppierungen, die oft in der Überzeugung antreten, einen ‚heiligen Krieg‘ zu führen.Doch was tun?
Es geht (wie auch  im ernsthaften muslimischen ‚Dscihad‘) darum, vor allem den eigenen geistigen Sumpf aufzusuchen und nicht nur den in der eigenen Mitwelt zu beklagen – auch wenn das bestimmt gar keinen ‚Bock macht‘.
Vergnügungs- und Wohlfühlsucht sind ebenso Merkmale unserer Lebensorganisation wie auch ein dumpfes Machtstreben, mit dem wir Probleme möglichst anderen zuschieben, die man hoffentlich niemals zu Gesicht bekommen muss. Sie sollen ausbaden, dass ich und du mit wenig Aufwand komfortabel, sicher und möglichst unbeschwert leben können.
Dass dies nicht ohne Rückwirkungen auf dich selbst funktionieren kann, erlebst du alltäglich
zum Beispiel durch
– den allumfassenden Lärm in deiner Lebensumgebung,
– durch schwierige Arbeitsbedingungen, oft ohne ausreichende Planungssicherheit für dich, wodurch deine eigene Lebensorganisation stark erschwert ist,
– die zunehmende Handlungsunfähigkeit der öffentlichen Organe, die die eigene Gesellschaft gestalten helfen sollen – zugunsten auf Geldeinnahme ausgerichteter übernationaler Massenegoismen in Form multinationaler Konzerne – geht auch nicht an dir und mir vorbei.
– Dass Krankheit mehr ein Geschäftsfeld geworden ist als ein Bereich, in dem an echter Heilung gearbeitet wird, ist ein weiterer Problembereich.
– Hinzu kommt das zunehmende Ausbluten der Alterssicherungsstrukturen – egal ob im Bereich der Renten wie auch Pensionen.
Du siehst, hier kommt sehr viel zusammen, was ungut läuft. Sicher ist, dass eine Veränderung aus eigener Willenskraft in kürzerer Zeit unmöglich ist – allzu viel ist deinem eigenen Zugriffsbereich entzogen; es liegt einfach nicht in deiner und meiner persönlichen Macht.
Doch ich (und du?) sind von innen her dazu aufgerufen, sich zum Beispiel dem Zugriff des verselbstständigten Geldes mehr und mehr zu entziehen. Gelingt es, Geld im eigenen Leben weniger wichtig sein zu lassen, dann verliert es ebenso wie alle es befeuernden Strukturen automatisch an Macht: durch jeden, der so denkt, fühlt und handelt. Niemand ist gezwungen, dem Geld die Weltherrschaft zu überlassen – es ist halt bequem, mit dessen Hilfe Probleme in andere Bereiche zu verlagern, solange man nur über genug dieser (Macht-)Mittel verfügt wie jedermann in diesem Kulturkreis – selbst die nach unserem gesellschaftlichen Verständnis Armen in diesem Land.

Wie schon zuvor gesagt, ist hier Behutsamkeit und Vorsicht angesagt. Wer wirksame Veränderungen will, der muss aufpassen, dabei nicht selbst unter die Räder zu kommen. Das Falsche und ein Zuviel können in der Tat tödlich sein – nicht unbedingt physisch, aber durchaus sozial (Mobbing, Ablehnung, Verachtung, Ausgestoßensein) und auch persönlich. Darauf verspüre ich keinerlei Lust; es ist nicht sinnvoll, sich für vergangene Sünden selbst zu zerfleischen oder zerfleischen zu lassen – weder geistig noch seelisch noch körperlich noch sozial.
Was war, ist das Eine; was ist und was kommt, das ist etwas Anderes.

Wer große Kräfte umlenken will, der muss wissen, dass er sich ihnen nicht einfach in den Weg stellen kann, ohne dabei Schaden zu nehmen. Doch dass es gefährlich sein kann, ist noch lange kein Grund, alles einfach so weiterlaufen zu lassen, wie es eben geschieht – dabei selbst Schaden an Geist, Seele und Körper erleidend.
In unserem Lebensumfeld lebt man damit gewiss äußerlich komfortabel. Doch ist das schon die seelischen und körperlichen Belastungen wert, denen wir alltäglich ausgesetzt sind? Rechtfertigt das bereits Denkverbote, die zu einer geistigen Schmalsicht (Scheuklappenwahrnehmung) zwingen, die einer Art selbst auferlegter geistiger Behinderung gleich kommt – einer Art kollektiver geistiger Zurückgebliebenheit? Das gilt ja nicht alleine für dich und mich.

6. Akt: ‚Übermächtiges‘ handhabbar machen: böser großer Zauber = viele kleine böse Zauber

Ich betrachte mich nicht als eine Art Welt-Retter; aber ich möchte mein Gesicht noch länger im Spiegel ertragen können – was voraussetzt, dass ich meinen Einsichten Taten folgen lasse, auch dann wenn mein Fühlen und Denken dabei in klarem Widerspruch zu gesellschaftlichen Standards, Normen und Sichtweisen stehen.
Dieses Dilemma beschäftigt mich zur Zeit und wird es auch zukünftig tun. Solche Konflikte gehören zum Leben – ich und du haben halt innere ungünstige Kräfte zu bändigen wie auch deren äußere Entsprechungen in der Mitwelt (teilweise mächtig organisierte Strukturen) in ihrer Macht auf mich zu kontrollieren und ihnen aus dem Weg zu gehen.
Somit erscheint die Sachlage dann erstmals so, als sei sie auch etwas ‚Normales‘ und damit auch handhabbar.

Mögen du und ich solche Veränderungen betrachten wie das Zulegen neuer Kleidung bzw. wie den Umzug in eine neue Wohnung, was auch mit Umsicht geschehen sollte, wenn wir mit den Resultaten gut leben können wollen.
Das alles muss niemanden aufreizen, niemandem imponieren oder gar Neid wecken. Es sollte aber zweckmäßig und damit praktisch sein – leicht zu pflegen, in Ordnung zu halten und bei Bedarf auszubessern.
Es sollte sich orientieren an dem, was sich längst bewährt hat und nicht den Nimbus von ‚Schick‘ oder ‚Hip‘ tragen, weil so etwas eben eher Aufmerksamkeit erzielt und sich daher leichter bewerben (Werbung drängt sich dir immer ungefragt auf!) und verkaufen lässt. Damit wäre ich dann wieder am Ausgangspunkt der Schwächen unserer Lebensgesellschaft, die diese sicher als ihre größten Stärken betrachtet…

Dieser Beitrag hat viel schwer verdaulichem Inhalt. Das wirkt nicht gerade motivierend und ansprechend, selbst irgendetwas konkret zu ändern und anzupacken. Wir neigen dazu, uns vor solchen unbequemen Aufgaben einsam, schutzlos, verlassen und hilflos zu fühlen. Veränderung muss deswegen ’sexy‘ daherkommen, wenn jemand für sie werben will – und genau das möchte ich ja.
Darum ein kleines Zwischenspiel mit leichterer Kost.

(Die Illustrationen in diesem Beitrag stammen übrigens von meiner Tochter Anna, die vor langen Jahren im Kunstunterricht ein Popup-Buch zu Goethes Zauberlehrling mit den hier gezeigten Bildern gefertigt hat. )

Im ersten Titelteil beziehe ich mich auf den Zauberlehrling aus Goethes gleichnamiger Ballade, die sich anfangs langsam und dann immer schneller bis schließlich mit rasendem Tempo liest. Hier folgt er für dich im Original:

Zwischenspiel zum ‚Durchschnaufen‘: Das Original von 1797

Der Zauberlehrling

Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort’ und Werke
merkt ich und den Brauch,
und mit Geistesstärke
tu ich Wunder auch.

Walle! walle
manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
bist schon lange Knecht gewesen;
nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
oben sei ein Kopf,
eile nun und gehe
mit dem Wassertopf!

Walle! walle
manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder,
wahrlich! ist schon an dem Flusse,
und mit Blitzesschnelle wieder
ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
voll mit Wasser füllt!

Stehe! stehe!
Denn wir haben
deiner Gaben
vollgemessen! –
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende
er das wird, was er gewesen!
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
bringt er schnell herein,
ach! und hundert Flüsse
stürzen auf mich ein.

Nein, nicht länger
kann ichs lassen;
will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!

O du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still!

Willsts am Ende
gar nicht lassen?
Will dich fassen,
will dich halten
und das alte Holz behende
mit dem scharfen Beile spalten.

Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
gleich, o Kobold, liegst du nieder;
krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich! brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
und ich atme frei!

Wehe! wehe!
Beide Teile
stehn in Eile
schon als Knechte
völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach, ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer
wirds im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen! –
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.

“In die Ecke,
Besen! Besen!
Seids gewesen.
Denn als Geister
ruft euch nur, zu diesem Zwecke,
erst hervor der alte Meister.”

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

7. Akt: Wieder klar denken, fühlen und sehen: Verirrt ist nicht verloren

Der Zauberlehrling ist alleine und probiert einen Zauberspruch seines Meisters aus. Er verwandelt mittels Zauberspruch einen Besen in einen Knecht, der Wasser schleppen muss.
Anfänglich ist er stolz auf sein Können, doch bald merkt er, wie er der Situation nicht mehr gewachsen ist, und er sagt die Worte, die fast jeder kennt: „Die ich rief, die Geister, / Werd’ ich nun nicht los.“ Da kommt schließlich als Retter der Meister zurück und bereinigt die chaotische Situation mit einem knappen Befehl.

In eigener Selbstüberschätzung und in Unkenntnis der beteiligten Zusammenhänge wird hier ein Mechanismus in Gang gesetzt, der sich verselbstständigt und außer Kontrolle gerät. Ähnlich verhält es sich mit jedem von uns, der in einer westlichen Wohlstandsgesellschaft aufwächst – der dort als Selbstverständlichkeit erfährt:
– scheinbar unendliches Energiepotential,
– unzählige Maschinen für alle Zwecke als Begleiter (moderne ‚Energiesklaven‘),
– Geld weit über das Maß des Notwendigen hinaus,
– jederzeit neuen Ersatz für bereits vorhandene, noch gut brauchbare und funktionierende Dinge,
– hoch beschleunigte Fortbewegung in gewaltigen Kisten, in denen ein auffallendes Missverhältnis zwischen der Masse des zu Transportierenden im Vergleich zum Gewicht des Transportmittels besteht,
– Komfort und Luxus wie auch Statusbesitz als erstrebenswerte Güter,
– Betrachten von Bodenschätzen, Pflanzen und Tieren als ‚Dinge‘, die selbstverständlich zur freien Verfügung des Menschen da sind.

Diese Aufzählung will keinesfalls vollständig sein. Doch sie malt bereits deutlich die geistige Verwirrung aus, die uns von Beginn an in unseren Breiten umgibt und auf Abwege führt bzw. verführt.
Wer von unseren Eltern und Lehrern zeigte uns, dass das alles nicht mit ganz rechten Dingen zugeht – dass es sich hier um einen ziemlich faulen Zauber handelt, der einen wesentlichen Großteil unseres Alltagslebens ausmacht?
Fehlanzeige! Wir basteln lieber in großem Stile an einem riesigen, hoch organisierten Reparaturbetrieb herum, der die entstehenden Schäden erträglicher machen und kaschieren soll – vorwiegend in großen Konzernen und mit tatkräftiger staatlicher Hilfe, weil sich auf diese Weise massig Geld eintreiben lässt für Geschäftsleute und in Form von Steuern. Darin sind wir wahrlich (scheinbar!) meisterlich! Doch der faule Zauber wirkt unvermindert in eher noch zunehmendem Maße fort und treibt seinen bösen Schabernack mit uns im Lebensalltag.

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Nur ist hier kein Meister in Aussicht, der dem Spuk mit seiner Zauberkunst ein Ende setzen könnte, denn wir wachsen als Geblendete heran und nehmen in blindem Vertrauen den Spuk als ‚Realität‘, als selbstverständliche Gegebenheit wahr, mit der man sich arrangiert. Was die Großen und was die Profis bzw. Fachleute verkünden und als gut darstellen, das wird Grundlage für unser eigenes Leben mit allen Konsequenzen. Wer hat schon in jungen Jahren (aber auch in ‚reiferen‘) den Mut, seine eigenen, abweichenden Gedanken vorzutragen und sich als Spinner abstempeln zu lassen?
Sicher kann jeder in unseren demokratischen Gesellschaften ohne Angst vor Strafverfolgung von den vorherrschenden Meinungen Abweichendes offen aussprechen. Das allerdings heißt aber nicht, dass er damit ernst genommen wird und dass man mit ihm in einen echten Gedankenaustausch treten möchte. Es gilt für Bestrebungen zur Veränderung, die immer auch Folgen für andere hat,  ein einfaches Schema:
– Ignorieren, solange es irgendwie geht,
– lächerlich machen, wenn dies nicht mehr möglich ist,
– bekämpfen, wenn auch dies nicht mehr funktioniert und schließlich
– annehmen, wenn es sich bereits als neue Ansicht eines sehr großen Teiles aller etabliert hat.
Du wirst übersehen bzw. übergangen, verlacht, feindschaftlich behandelt – und erst dann akzeptiert, wenn du ohnehin Selbstverständlichkeiten als deine Meinung vertrittst, die alle Spatzen von den Dächern pfeifen. Das ist der Lauf auch in unseren freien Gesellschaften.
Du kannst sagen, was du willst, solange du damit nicht den Interessen anderer nahe trittst oder sie sich von dir bedrängt fühlen. Solange ist es deine private Meinung und die interessiert in der Regel erst einmal niemanden, solange er sich dafür nicht wirklich öffnet. Freiheitlich ist hier durchaus im Sinne eines unausgesprochenen Desinteresses zu verstehen, das gegenüber den Ansichten der Mitmenschen als Richtschnur gilt. Das aber zeigt nicht mehr und nicht weniger als genau die erste Stufe des Umgangs mit abweichenden Ansichtsweisen: Ignorieren, solange es nur irgend geht…
Es gilt die Doktrin: „Lass mich in Ruhe machen, was ich will – dann darfst du es meinetwegen auch so halten, solange du mir dabei nicht in die Quere kommst!“

Dies zeigt deutlich, dass Werte und echte Bedürfnisse in dem freiheitlich westlichen Menschen- bzw. Weltbild nicht unbedingt den Stellenwert einnehmen, der nach außen hin gerne laut vorgetragen wird.
Da findet sich durchaus eine vorrangige Grundstruktur der Beliebigkeit – nämlich dass jeder im Grunde tun und lassen kann, was er gerne machen möchte – egal ob auf höchster oder ganz unterer gesellschaftlicher Stufe. Das beinhaltet eine tendenzielle Schranken- und Grenzenlosigkeit für jeden einzelnen, freilich ohne nähere Nachfrage, wie dieses freie Treiben sich in näherer oder fernerer Mitwelt auswirkt. (z. B. Beispiel randalierende ‚Fußballfans‘, größenwahnsinnige Banker, sich angemessener Steuerzahlung entziehende Konzernleitungen oder der Normalkunde, der nur auf den billigsten Preis schielt).

Ein besonderer Trick bei uns besteht darin, dass wir es diabolisch gut verstehen, die Folgen eigenen Tuns und Lassens nach irgendwohin zu exportieren, wo wir dies nicht mehr unmittelbar mitbekommen können und müssen. „Das geht schon irgendwie alles gut! Wenn man das nicht merken muss, dann kann es doch so schlimm gar nicht sein!“ So lautet die innere Logik dieses Taschenspielertricks, mit dessen Hilfe sich Mitmenschen und Mitwelt gedankenlos ausbeuten bzw. ausplündern lassen.
Da sind sie, die Besen (Menschen), die zu Wasserträgern (Funktionswesen) umfunktioniert werden, ohne nach deren Bedürfnissen und deren Belastbarkeit zu fragen. Jeder, der nicht mit ganz geschlossenen Augen durch seinen Alltag geht, erfährt immer wieder das überschwappende Angebot an Kaufbarem – weit entfernt von jedem sinnvollen, echten Bedarf der Menschen in unserem Lande. Absolute Überkapazitäten von Produktion und Vertrieb wie auch Dienstleistungen kennzeichnen die Wirtschaftslandschaft im Westen.
Da ist jedes Maß verloren gegangen und trotzdem werden die Kapazitäten immer noch weiter ausgebaut. Das Bild von dem hilflos zerschlagenen Besenstiel aus dem Zauberlehrling drängt sich hier geradezu auf. Da der Spuk unvermindert heftig fortfährt, wünscht man sich leicht einen Zaubermeister herbei, der ihm ein Ende bereitet. Doch wer sollte das sein? Doch nicht etwa so eine übermächtige Gestalt mit Möglichkeit zur Willkürherrschaft?

Wenn es die nicht geben soll, dann gibt es keinen anderen Weg als den Zusammenschluss von immer mehr Zauberlehrlingen, die sich mit Umsicht statt blinden Wütens an dem Spuk zu schaffen machen.
Deren Werk muss darin bestehen, die Augen weit auf zu machen und Ausschau zu halten, was mehr ist als nur Geschäft und Vorteilsdenken – was wirklich Lebensqualität fördert anstatt vorwiegend aufzureizen, zu blenden und eher primitive Grundmotivationen zu bedienen. Dazu gehört sicher auch der Blick über den Tellerrand der eigenen Gesellschaft hinaus bis hinein in indigene Kulturen, die sich wie wir seit Jahrzehntausenden entwickelt haben.
Nur leben wir ja in der blinden Ansicht, wir seien als einzige hoch entwickelt und anders lebende Völker eben nicht. Doch stimmt das wirklich? Ebenso gilt es hier als absolute Mehrheitsmeinung, dass der Mensch Tieren und Pflanzen überlegen ist, woraus man den fälschlichen Schluss zieht, damit könne nach Belieben verfahren werden. Dass es sich bei ihnen wie bei uns selbst um Lebewesen handelt, die ebenfalls eine Wahrnehmung haben und ein Zusammenleben gestalten – auch wenn wir über die Strukturen davon bisher kaum etwas wissen – kommt uns dabei nicht in den Sinn. Fühlen oder eine Seele sprechen wir ihnen ohne Umschweife einfach ab, so wie dies vor fünfhundert Jahren bei allen Sklaven aus Übersee als Selbstverständlichkeit galt. Wie sonst hätte man sie auch sonst so grausam behandeln können, wie es geschah?
Selbst für Menschen in so genannten armen Ländern gibt es von unserer Seite allenfalls Mitgefühl, wenn wieder einmal eine gewaltige Naturkatastrophe als Medienspektakel für ein paar Tage die Langeweile in unserem Hochsicherheitstrakt Deutschland vertreibt. Dann soll allen voran unser Staat Hilfe leisten; immerhin sind dann auch viele zu einer spontanen Spende hinzureißen, was ansonsten eher als eine Art von liebenswerter Dummheit angesehen wird.

Doch warum nicht viel eher ansetzen? Warum nicht dort, wo es erst gar nicht zu so unsinnigen Auswirkungen und Auswüchsen kommt?
Es gibt in unserem Lande kaum etwas, wofür wir nicht eine Krankheitsbezeichnung erfinden, damit Profis Zugang zu den immer größer werdenden und kaum noch finanzierbaren Gemeinschaftstöpfen bekommen, um dann die neuen, clever konstruierten Krankheitsbilder therapieren zu dürfen – selbstverständlich als Fachleute mit Examen, damit alles seine Ordnung hat. Medikamente werden alle paar Jahre als neu und verbessert auf den Markt geworfen, weil man ihren Preis hierzulande dann beliebig (hoch!) festsetzen kann, bevor nach einiger Zeit erst Regulierungen greifen können, die den behaupteten Mehrnutzen als nicht ausreichend gegeben nachweisen – ein ewiges Katz- und Maus-Spiel.
Wo bleibt da das Maß, die Grenze, der Sinn? Was hat das noch mit gesundem Menschenverstand zu tun?

8. Akt: Der ‚große Meister‘ wird uns nicht retten – die vielen ‚kleinen‘ sind gefragt

Ich habe dir noch etwas Spuk in diesem Artikel angekündigt:
Der Meister sei nicht in Aussicht, der dem bösen Treiben allerorten ein Ende bereiten könnte. Nun, das kann ich hier nicht ganz so stehen lassen, denn dann dürfte auch ich die Hände in den Schoß legen und mich meinem Schicksal ergeben. Das will ich aber nicht, da ich mich als Zauberlehrling selbst verantwortlich für allerlei Schabernack in dieser Welt erfahre.
Mein (teilweise dümmlicher) Zauber funktionierte nur allzu gut; aber die Folgen z. B. in eigener Gesundheit, Umwelt, Beziehungen blieben nicht aus, auch wenn ich in gesellschaftlich gehobenem Rahmen leben konnte und durfte. Dass es auch massig Dummheit in meinem Lebensumfeld durch andere gab, kann da nicht als echte Ent-Schuldigung funktionieren.
Wenn es schon den großen, guten Meister in der Außenwelt nicht gibt, der alle Übel beseitigen kann, dann doch vielleicht an anderer Stelle: in mir und in dir selbst.
Wenn ich (und du?) bereit sind, uns selbst als geistig zurück Gebliebene zu erkennen, die mit ihrem eigenen, teilweise sehr kurzsichtigen Vorteilsdenken Mitverursacher vieler Übel in uns selbst und in dieser Welt zu sein – dann und erst dann kann etwas in unser Leben eintreten, das sich meisterlich auswirkt: Dann durchforsten ich (und du) Mitwelt, Mitmenschen und uns selbst auf das hin, was uns die Lebensfreude vergällt.
Es ist nicht einfach, die eigene Verantwortlichkeit zu erkennen und auszuhalten – es tut weh und weckt Schamgefühle. Doch gerade sie sind es, die bereit machen zu eigenen Veränderungen wie auch dazu, entschlossener als bisher dem Schabernack von außen her aus dem Wege zu gehen.
Was mich selbst betrifft, bin ich z. B. seit längerem dabei, den eigenen materiellen Besitz auf einen Bruchteil des bisherigen Umfangs auszudünnen. Besitz bereichert nicht nur, sondern er bindet auch und ist damit eine Fessel, die mich versklavt durch den Raum, den ich für ihn bereit halten und pflegen muss wie auch die vielfältigen Dinge, die ich habe.
Ich kann faktisch nicht aufhören, Konsument zu sein, obwohl dieser Begriff aus unserer Wirtschaftswelt für mich inzwischen negativ besetzt ist – als ein Mensch, der clever gelenkt und ferngesteuert ist, aus Sicht der Organisatoren von Wirtschaftsprozessen auf gehobener und höherer Ebene.
Doch ich kann wachsam darauf achten, was mich wirklich gesund hält, mich klar denken und fühlen lässt und was ich wirklich benötige, weil es mein Leben sichert, meine Beziehungen und Kontakte pflegen hilft – nicht zuletzt andere und die Mitwelt nicht ohne Not drangsaliert und ihnen vermeidbare Belastungen aufbürdet.
Wenn ich mich in meinem Denken, Fühlen und Handeln mit einem neuen Sinn versehe, nämlich als Auftraggeber von Mitmenschen verstehe
(so wie ich früher auch meine Schüler als meine eigentlichen Arbeitgeber verstand), dann spielen meine eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten ebenso eine wesentliche Rolle wie auch die derer, an die ich mich mit meinen Aufträgen wende. Ich kann mich dann nicht mehr ohne weiteres, wie allgemein übliche Praxis, hinter der Anomymität meines Geldes verstecken und dieses ‚arbeiten lassen‘ (eine wirklich perfide, Menschen verachtende Formulierung).
Das ist der Schlüssel, der dem eigenen inneren Meister die Tür öffnet, mit dem er in die eigene Lebenswelt eintreten kann und was ihn mir und dir seine klaren Worte sprechen lässt.
Das hilft wirkungsvoll dabei, vielem Spuk ein Ende zu setzen. Ich mache mir keine Illusionen, dem ‚Bösen‘ ein Ende setzen zu können; schließlich drängen immer neue Menschen ins Leben, die in unreifem Wahrnehmen ’schwachen‘ Motivationen folgen. Doch wer soll sie leiten, wer ihnen Vorbild sein? Du und ich zum Beispiel!

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Sollte es mir gelingen, dich als Zauberlehrling auch für diesen unsicheren, unbequemen – aber interessanten und lebendigen! – Weg der gemeinsamen Bändigung dieses uralten Spuks zu interessieren oder zu erfahren, dass es da draußen auch noch andere Menschen dieser Geisteshaltung gibt, dann freut mich das.
Ich kann niemandem etwas versprechen und will schon gar keinen Guru mimen – davon halte ich gar nichts. Ich suche auch nicht nach einem solchen; eher zähle ich auf das gemeinsame Wirken von selbstverantwortlichen Mitwesen, die sich nicht einlullen lassen und die sich ihrer Möglichkeiten zu einem echten, sinnvollen Leben in einer lebenswerten Welt nicht berauben (lassen).

9. Akt: Dein und mein Auftritt im kommenden Alltag

In diesem Sinne:
Auf gute Zusammenarbeit, Zauberlehrlinge in dieser Welt voller mächtigem, ungebändigtem Schabernack und Spuk!