Weiterlesen 2: Wie unser Reichtum auf der Armut an anderen Stellen gründet

Das gibt es auch in meinem nahen Lebensumfeld, wo seit Jahrzehnten Zehntausende ihre Heimat für den ungezügelten Energiehunger in unserem Land aufgeben müssen: für den niederrheinischen Braunkohlenabbau. Zwar gibt es materielle Entschädigung für die Betroffenen, doch der ideelle Schaden ist unersetzbar.

Im Schneeballsystem der westlichen Industrienationen mit ihrem so genannten ‚freien Welthandel‘ existiert eine ziemlich skrupellose Selbstbedienungsmentalität. Das gilt keineswegs nur für deren Organisatoren: Unsere Jahrzehnte alte deutsche Billigmasche und Schnäppchenjagd – verstärkt noch durch die digitalen Einkaufsmöglichkeiten – beteiligt jeden Einzelnen an dieser unguten Praxis. Egal ob bei Lebensmitteln, Kleidung, Autos, Reisen und bei Alltagsbedarf aller Art – überall wird nach dem Billigsten (geschönt ausdedrückt: dem ‚Preiswertesten‘) gesucht, damit man sich nach Deckung der Grundbedürfnisse auch noch Befriedigung möglichst vieler Luxusbedürfnisse ermöglichen kann. Unser Reichtum gründet weitgehend (aber nicht nur) auf Ausplünderung und Ausbeutung – ja selbst Versklavung – in anderen Teilen dieser Welt, weit von uns weg. Armut und Hunger begleiten diese Art zu wirtschaften für mehr als eine Milliarde Menschen.

Zu alledem gesellt sich eine Maschinerie aus kreditfinanzierter Industrie, die von Geldgebern abhängig ist, die für ihr ‚Risikokapital‘ sehr hohe Renditen als Normalfall erwarten sowie ein immenser militärischer Apparat – beides Grundstrukturen, die hierarchisch aufgebaut sind und (zumindest potentiell) gewaltsam operieren. Unsere aktuelle Weltgeschichte legt unzählige Beispiele dafür vor, die jeder kennt.

Du und ich: Wir sind voll beteiligt und haben es schwer, uns dem unguten Wirken dieser Maschinerie zu entziehen, von der jeder von uns ein Teil ist – ob er nun will oder nicht. Ungut ist das ständige Bestreben nach Machtkonzentration (finanziell, materiell, politisch, sozial etc.), weil dies zur Unterdrückung kleinerer oder ’schwächerer‘ Einheiten neigt und deren Auflösung fördert. So geht Pluralität tendenziell verloren.

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