Weiterlesen 3: Wie geistig-seelische Schieflagen unsere Kultur belasten

Eingebettet in eine ökologie-ferne Kultur, komme ich mir immer wieder vor wie eine fremdgesteuerte Marionette, die ihren eigenen Überzeugungen trotz besseren Wissens häufig zuwider handelt. Die Verführungen von innen wie auch von außen her sind enorm mächtig. Sie scheinen kaum Widerspruch oder Widerstand zu dulden. Alle Alltagsrückschläge sind allerdings keinerlei Grund zum Aufgeben – im Gegenteil: Wie sonst will ich einem nachhaltigen Alltag sonst Gültigkeit verschaffen? Wer nicht ökologisch aufwächst, muss das Gehen auf diesem Gebiet erst mühevoll erlernen. Viele Stürze sind zu erwarten – immer wieder rasches Aufstehen ebenso, wenn echte Erfolge das Ziel sind. Genau daran ist mir gelegen. Ich will mir nicht nur ein ökosoziales Greenwashing-Mäntelchen zur Beruhigung des eigenen Gewissens umhängen.

Wir sind von klein an zur Groß-Sucht erzogen worden. Materielle und soziale Süchte durchziehen unseren Alltag. Der darin enthaltene Selbstverrat wie auch der von Mitmenschen und Mitwelt nagt – zumindest unbewusst – am eigenen Selbstwertgefühl, das durch Karriere, Besitz und Genuss beschwichtigt wird. Doch das ist nur Make-Up und Fassade – das was wir zur Schau stellen. Innen drin wirkt es destabilisierend auf Gesundheit und Beziehungen.

Darum gibt es hierzulande so viele Krankheitssymptome, die unsere Medizin zwar unterdrückt – aber ohne die dahinter liegende wesentliche Krankheit zu heilen. Die eigentliche Krankheit ist eine geistig-seelische Verirrung – eine Art von Blendung. Diese wird durch die äußeren, körperlichen wie auch gesellschaftlichen Symptome und nicht zuletzt durch die Vermüllung von Erde, Wasser und Luft für jedermann erfahrbar. Jeder kennt diese Symptome – kennt er aber auch die dahinter liegenden Fehlerwartungen an das eigene Leben und dessen (Selbst-)Organisation?

Bei uns werden diese äußeren Krankheitszeichen in der Regel jedoch als die eigentliche Krankheit angesehen und bekämpft. Darum ist Medizin bei uns so ineffektiv und zu einem aufgeblähten ‚Gesundheitsapparat‘ verkommen, ein hochorganisierter Wirtschaftsapparat mit Heilungsversprechen, die er nicht wirklich einlösen kann, weil er die (geistig-seelischen) Krankheitsursachen übersieht und darum auch nicht behandelt. Heilung in dieser Art von Medizin ist vorwiegend Symptomunterdrückung – also auch hier eine Art Verblendung, die zu einem Scheuklappenblick führt.

Der ‚kleine Mann‘ dagegen spricht im Volksmund nicht umsonst vom ‚gesunden Menschenverstand‘, wenn Grundeinstellungen zum Leben stimmig sind und für das Große Ganze zu ordentlichen Ergebnissen führen.

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